Treibhausgasemmisiionshandel - CO2 im Fokus

Klimaschutz - wie fing es an?

Das Kyoto-Protokoll von 1997 gilt als Meilenstein der Klimaschutzpolitik. 191 Länder einigten sich auf bindende Minderungsziele für die Treibhausgasemissionen der Industrieländer. Die Europäische Union ging voran und legte unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Voraussetzungen feste Minderungsziele für die Mitgliedsstaaten fest. Im Jahr 2005 startete das Treibhausgasemissionshandelssystem, das erste marktwirtschaftliche Instrument, das direkte wirtschaftliche Anreize zur Senkung von Emissionen setzte und die Zielerreichung in der europäischen Union unterstützen sollte. Auf starre Abgabensysteme wurde zugunsten der Flexibilität und freier unternehmerischer Entscheidung bewusst verzichtet. Alle 28 EU-Länder sowie Island, Liechtenstein und Norwegen beteiligten sich.

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Das Grundprinzip des Emissionshandels ist einfach: Der Betreiber einer Emissionshandelspflichtigen Anlage, etwa ArcelorMittal Bremen, muss für seine Emissionen jedes Jahr eine entsprechende Anzahl sogenannter Treibhausgasemissionsberechtigungen (CO2-Zertifikate) abgeben. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, drohen Sanktionen. Reduziert der Betreiber seine Emissionen, zum Beispiel durch Investitionen in emissionsarme Technologien, reduziert sich die Anzahl abzugebender Zertifikate entsprechend. Das heißt, die Investition zahlt sich aus. Dies ist das Anreizprinzip des Emissionshandels. Die überschüssigen Zertifikate können entsprechend im Handelssystem verkauft oder für spätere Zwecke gehalten werden. Für Unternehmen, die mit Ihrer Produktion im globalen Wettbewerb stehen und die durch den Emissionshandel erhöhten Kosten (für Emissionen oder Investitionen) nicht an ihre Kunden weitergeben können, gibt es Sonderregelungen. Sie erhalten einen Teil der notwendigen Zertifikate frei zugeteilt. Dies gilt auch für die Stahlindustrie. Durch eine feste Obergrenze (cap) werden die auf dem Markt verfügbaren Zertifikate begrenzt und sichergestellt, dass sich ein Preis für den Ausstoß von CO2 bildet.

Was bedeutet das für ArcelorMittal Bremen?

Die Stahlproduktion ist energieintensiv. Vor allem der Reduktionsprozess im Hochofen ist mit hohen CO2-Emissionen, dem zentralen Treibhausgas, verbunden. Diese Emissionen sind prozessbedingt nicht zu vermeiden und ohne die Entwicklung neuer Technologien auch kaum zu vermindern.
Je Tonne Stahl werden rund 1,9 t CO2 emittiert. Bei ArcelorMittal Bremen werden bereits in der laufenden Handelsperiode (2013–2020) rund 30 % der Emissionen nicht durch die freie Zuteilung von Zertifikaten abgedeckt. Dies entspricht einer jährlichen Fehlmenge in Höhe von rund 2 Millionen Tonnen. Der Zertifikate-Preis, zu dem die fehlenden Zertifikate beschafft werden, ist marktgetrieben starken Schwankungen unterworfen. Im Verlauf des Jahres 2018 ist der Preis um rund 300 % gestiegen. Bei dem aktuellen Marktpreis von etwa 23 € ergeben sich zusätzliche Kosten in Höhe von ca. 46 Mio. € pro Jahr oder 14 € pro Tonne Stahl. Diese Kosten sind trotz der anteiligen freien Zuteilung von Zertifikaten von uns zu tragen. Das benötigte Budget für notwendige Investitionen steht somit nicht zur Verfügung. Stahlprodukte, die außerhalb der Europäischen Union produziert wurden, sind damit nicht belastet. Die Importe nach Europa aus Ländern ohne vergleichbare Klimaschutzmaßnahmen lagen in diesem Jahr bei rund 26 Millionen Tonnen Stahl.

Wie sieht es in anderen Sektoren aus?

Nicht alle Sektoren sind in das Emissionshandelssystem einbezogen. Neben der Industrie ist die Energiewirtschaft eingebunden und der Binneneuropäische Luftverkehr. Weitere Bereiche wie Transport/Verkehr, Gebäudebereich, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft sind ausgeklammert. Hier gibt es Ziele, aber bisher keine bindenden Minderungsinstrumente, die mit dem Emissionshandel vergleichbar sind. So liegen die Emissionen, die in Deutschland im Verkehrsbereich freigesetzt werden aktuell auf dem Niveau von 1990. Die Industrie steht heute nur noch für 7 % der deutschen Treibhausgasemissionen. Sie hat ihren Ausstoß an klimaschädlichen Gasen seit 1990 überproportional um 36 % verringert.

Wie geht es weiter?

Mit dem Jahr 2021 beginnt die nächste Handelsperiode mit neuen erhöhten Anforderungen an die Teilnehmer des Emissionshandelssystems. Die Obergrenze für Emissionen wird in dieser Periode kontinuierlich gesenkt. Das bedeutet, dass jährlich etwa zwölf Prozent der Zertifikate vom Markt
genommen werden sollen, sofern das Volumen der auf dem Markt vorhandenen Zertifikate mindestens 100 Millionen Stück beträgt. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen ausgehend vom Basisjahr 1990 um 55 % zu senken. Nach ersten Einschätzungen zu den neuen
europäischen Regularien für die kommende Handelsperiode wird die Unterdeckung mit Zertifikaten für ArcelorMittal Bremen 30 % übersteigen. Und dies bei einem perspektivisch ansteigenden CO2-Preis.

Was kann getan werden?

ArcelorMittal Bremen hat bereits in den vergangenen Jahren in Treibhausgasemissionsminderungen investiert. Die Konvertergasrückgewinnung war hier ein großer Schritt, der durch die Substitution von Erdgas mit einer Minderung der CO2-Emissionen verbunden war. Wir haben einen langfristigen
Aktionsplan zur CO2-Reduktion am Standort Bremen entwickelt. Dieser besteht aus Prozessverbesserungsmaßnahmen in Kombination mit der Entwicklung und dem Einsatz neuer Technologien. Das Ziel ist, unseren spezifischen CO2-Bedarf in den nächsten 10 Jahren um ca. 25 % zu reduzieren. Um jedoch eine Minderung in der geforderten Größenordnung zu erreichen, ist ein grundsätzlicher Technologiewechsel erforderlich. Die Investitionsmittel hierfür übersteigen bisher bekannte Budgets. Um diese Technologien am Standort umzusetzen, geht es nicht ohne die Unterstützung der Politik. Es müssen sowohl erhebliche Fördermittel bereitgestellt werden, um den Technologiewechsel zu ermöglichen, als auch Beihilfen für deutlich höhere laufende Kosten, wie etwa für erneuerbare Energien. Die Einführung einer grünen Grenzanpassung (Green Border Adjustment), nach der auf in Europa importierten Stahl die gleichen Normen für CO2 anzuwenden sind wie für den in Europa produzierte Stahl unter dem Emissionshandelssystem, schafft gleiche Bedingungen. Es muss das Ziel sein, eine Abwanderung der Stahlproduktion aus Europa zu vermeiden.